Safran bei PMS: Was klinische Studien zeigen

Forschung & Wissenschaft

Safran bei PMS: Was klinische Studien zeigen

Kann Safran bei PMS und Regelschmerzen unterstützen? Eine wissenschaftliche Einordnung der Studien zu prämenstruellen Beschwerden — fundiert, ehrlich, mit klaren Sicherheitshinweisen.

14. Juni 2026·8 Min Lesezeit

Es sind oft die Tage vor den Tagen. Eine Reizbarkeit, die sich nicht erklären lässt. Niedergeschlagenheit, die kommt und geht. Spannungsgefühle, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, ein Körper, der sich fremd anfühlt. Für viele Frauen ist das prämenstruelle Syndrom — kurz PMS — ein monatlich wiederkehrender Begleiter, der ein Drittel des Zyklus prägen kann.

In Deutschland sind etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter von behandlungsbedürftigem PMS betroffen. Bei einer kleineren Gruppe — je nach Definition rund drei bis acht Prozent — nehmen die Symptome eine schwere Form an, die als prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) bezeichnet wird. Und doch ist PMDS bis heute weder fester Bestandteil des Medizinstudiums noch der gynäkologischen Facharztausbildung. Eine erstaunliche Versorgungslücke für etwas, das so viele Frauen betrifft.

In dieser Lücke wächst das Interesse an sanften, pflanzlichen Optionen. Eine davon ist erstaunlich gut untersucht — der Safran. Dieser Artikel ordnet ein, was die Wissenschaft über Safran und prämenstruelle Beschwerden weiß, wo ihre Grenzen liegen, und was Frauen im gebärfähigen Alter unbedingt zur Sicherheit wissen sollten.

Wichtiger Sicherheitshinweis

Safran in höheren, ergänzenden Dosierungen ist in der Schwangerschaft nicht geeignet — er kann die Gebärmutter stimulieren. Frauen, die schwanger sind, eine Schwangerschaft planen oder schwanger sein könnten, sollten von einer ergänzenden Safran-Einnahme absehen. Die kleinen Mengen, die zum Würzen von Speisen verwendet werden, sind davon nicht betroffen.


Was bei PMS im Körper geschieht

PMS bezeichnet ein Muster aus körperlichen und psychischen Symptomen, die in der zweiten Zyklushälfte — der sogenannten Lutealphase — auftreten und mit Einsetzen der Menstruation wieder abklingen. Das Spektrum ist breit:

  • Psychische Symptome: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit, Angstgefühle, innere Anspannung.
  • Körperliche Symptome: Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Heißhunger, Erschöpfung.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Erklärung steht das Serotonin-System. Die hormonellen Schwankungen der Lutealphase beeinflussen den Serotonin-Stoffwechsel — und Serotonin ist einer der wichtigsten Botenstoffe für die Stimmungsregulation. Genau deshalb sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) die medizinische Standardtherapie bei schwerer PMDS.

Diese serotonerge Grundlage ist auch der Grund, warum Safran überhaupt in der PMS-Forschung untersucht wird — denn seine Inhaltsstoffe zeigen Wirkungen auf eben dieses System.


Warum Safran in der PMS-Forschung untersucht wird

Safran besteht aus den getrockneten Narbenfäden des Crocus sativus. Seine wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe — Crocin und Safranal — zeigen in experimentellen Studien eine Wirkung auf das Serotonin-System: Sie hemmen in präklinischen Modellen die Wiederaufnahme von Serotonin, ähnlich dem Wirkprinzip der SSRIs.

Zusätzlich werden zwei weitere Eigenschaften diskutiert: Safran wirkt in der Forschung entzündungshemmend und krampflösend — beides relevant für Regelschmerzen, die durch eine übermäßige Produktion von Prostaglandinen und daraus folgende Gebärmutterkontraktionen entstehen.

Wichtig zur Einordnung: Diese Mechanismen sind biologisch plausibel, beruhen aber überwiegend auf Tier- und Laborstudien. Beim Menschen ist der genaue Wirkmechanismus nicht abschließend geklärt. Schauen wir auf das, was die klinischen Studien tatsächlich zeigen.


Die wegweisende Studie: Agha-Hosseini 2008

Die erste und bis heute meistzitierte Studie zu Safran und PMS erschien 2008 im angesehenen BJOG — An International Journal of Obstetrics & Gynaecology. Eine iranische Forschungsgruppe untersuchte 50 Frauen zwischen 20 und 45 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten unter PMS litten.

In dieser doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten die Frauen über zwei Menstruationszyklen entweder 30 mg Safran pro Tag (aufgeteilt in morgens und abends) oder ein Placebo. Gemessen wurde mit dem Daily Symptom Report und der Hamilton-Depressionsskala.

Das Ergebnis war deutlich:

  • 76 Prozent der Frauen in der Safran-Gruppe erreichten eine Reduktion ihrer PMS-Symptome um mindestens die Hälfte.
  • In der Placebo-Gruppe schafften das nur 8 Prozent.

Dieser Unterschied war statistisch hochsignifikant — sowohl bei den allgemeinen prämenstruellen Symptomen als auch auf der Depressionsskala. Eine bemerkenswert klare erste Studie, die das Forschungsfeld eröffnete.


Safran bei schwerer PMDS: Vergleich mit Fluoxetin

Eine besonders interessante Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte die schwere Form, die prämenstruelle dysphorische Störung. 120 Frauen mit nach DSM-5 diagnostizierter PMDS wurden in drei Gruppen randomisiert: Fluoxetin (ein gängiges SSRI), Safran oder Placebo — jeweils in der zweiten Zyklushälfte über zwei Zyklen.

Die Ergebnisse waren aufschlussreich:

  • Alle drei Gruppen verbesserten sich — auch die Placebo-Gruppe, was bei PMS-Studien häufig vorkommt.
  • Safran zeigte gegenüber Placebo eine signifikante Überlegenheit auf der Hauptskala (p = 0,027).
  • Zwischen Safran und Fluoxetin gab es keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit — Safran war also nicht unterlegen.
  • Entscheidend: Fluoxetin verursachte signifikant mehr Nebenwirkungen als Safran (p = 0,01).

Die Autoren beschrieben Safran als wirksame pflanzliche Option zur Behandlung von PMDS mit minimalen Nebenwirkungen. Wichtig bleibt die ehrliche Einordnung: Safran war hier so wirksam wie das Medikament, nicht wirksamer — bei deutlich besserer Verträglichkeit.


Was die aktuelle Meta-Analyse zusammenfasst

Im Jahr 2025 erschien im Korean Journal of Family Medicine die bislang aktuellste systematische Übersicht und Meta-Analyse zu Safran und Zyklusbeschwerden. Sie bündelte die vorhandenen randomisierten Studien und berechnete die durchschnittlichen Effektstärken.

Die zentralen Ergebnisse:

  • Bei PMS zeigte Safran einen signifikanten positiven Effekt mit einer mittleren Effektstärke (SMD −0,64).
  • Bei Dysmenorrhoe (Regelschmerzen) war der Effekt ebenfalls signifikant, aber moderater (SMD −0,51) — und das Konfidenzintervall reichte hier knapp an die Signifikanzgrenze heran.

Übersetzt heißt das: Die Evidenz für Safran bei PMS ist solide und konsistent. Bei reinen Regelschmerzen ist sie vorhanden, aber etwas schwächer. Diese Differenzierung ist wichtig — sie zeigt, wo die Forschung steht und wo sie noch nicht steht.


Dosierung, Anwendung und Wirkungseintritt

In den Studien wurden bemerkenswert einheitliche Rahmenbedingungen verwendet:

  • Dosis: 30 mg standardisierter Safran pro Tag — meist aufgeteilt in zweimal 15 mg.
  • Anwendung: bei PMS kontinuierlich über den Zyklus, bei PMDS teilweise nur in der Lutealphase.
  • Wirkungseintritt: Die meisten Studien zeigten ihre Effekte über zwei Zyklen.

Dieser letzte Punkt verdient Betonung: Safran ist — nach allem, was die Forschung zeigt — kein Mittel für die akute Linderung an einem einzelnen Tag, sondern entfaltet seine Wirkung über die Kontinuität mehrerer Zyklen. Geduld ist Teil des Konzepts.


Sicherheit und Wechselwirkungen

In den verwendeten Dosierungen von 30 mg pro Tag gilt Safran als gut verträglich. In keiner der PMS-Studien traten signifikant mehr Nebenwirkungen auf als unter Placebo. Die Studiendosen liegen um ein Vielfaches unter der toxikologischen Schwelle.

Dennoch sind einige Punkte wichtig — über die Schwangerschafts-Warnung am Anfang dieses Artikels hinaus:

  • Antidepressiva: Wer SSRIs oder andere Antidepressiva einnimmt, sollte vor zusätzlicher Safran-Einnahme ärztlich Rücksprache halten, da sich die serotonerge Wirkung theoretisch überlagern kann.
  • Blutverdünner: Safran kann eine milde blutverdünnende Wirkung haben. Bei Gerinnungsstörungen oder entsprechender Medikation ist Vorsicht geboten.
  • Hormonelle Verhütung: Wer hormonell verhütet und ergänzend Safran erwägt, sollte dies mit der Frauenärztin besprechen.

Bei schweren prämenstruellen Beschwerden, die den Alltag erheblich beeinträchtigen, ist der Weg zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt der richtige erste Schritt. PMDS ist eine ernstzunehmende Störung, die professionelle Begleitung verdient.


Safran im Vergleich zu anderen Optionen

Um die Forschung einzuordnen, hilft ein Blick auf die etablierten Optionen:

  • SSRIs sind die wirksamste medizinische Therapie bei schwerer PMDS — erkauft jedoch mit relevanten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen.
  • NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel) sind die Standardoption bei Regelschmerzen, mit guter Wirksamkeit, aber bekannten Magen-Darm-Risiken bei längerem Gebrauch.
  • Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist die am besten etablierte pflanzliche Option bei PMS, mit einer vergleichbaren Studientradition.

Safran fügt sich in dieses Bild als eine pflanzliche Option mit serotonerger Ausrichtung ein — interessant besonders für Frauen, deren PMS-Beschwerden stark von der psychischen Komponente geprägt sind. Die enge Verbindung zur Stimmungsforschung zeigt sich auch in unseren Artikeln über Safran bei Depressionen und Safran und Winterblues.

Die ehrlichste Zusammenfassung lautet: Safran ist eine der am besten untersuchten pflanzlichen Optionen bei PMS, mit konsistenter Evidenz für die prämenstruelle Symptomatik und einem in Studien dokumentierten günstigen Verträglichkeitsprofil — aber er ersetzt keine ärztliche Behandlung bei schweren Beschwerden.


Ein Gewürz mit langer Frauen-Geschichte

Es liegt eine gewisse Stimmigkeit darin, dass ausgerechnet Safran heute in der Frauengesundheit erforscht wird. In der traditionellen persischen Medizin galt er seit Jahrhunderten als Mittel für Stimmung und Wohlbefinden. Was damals Erfahrungswissen war, wird heute in randomisierten kontrollierten Studien vermessen — und einiges davon hält der Prüfung stand.

Für Frauen, die sich mit ihren prämenstruellen Beschwerden beschäftigen, kann Safran ein interessanter Baustein sein — eingebettet in ein größeres Ganzes aus Bewegung, ausgewogener Ernährung, gutem Schlaf und, wo nötig, ärztlicher Begleitung. Ein abendliches Ritual mit einigen Safranfäden in warmer Milch ist dabei vielleicht weniger Therapie als Moment der Selbstfürsorge — ein bewusstes Innehalten in den Tagen, die es am nötigsten haben.

Was die Forschung über Safran zeigt, ist noch nicht vollständig. Aber für ein Feld, das medizinisch so lange vernachlässigt wurde, sind die Fragen gut gestellt — und einige Antworten bereits erstaunlich klar.

Quellen (Auswahl)

Wissenschaftliche Publikationen und Referenzdokumente, auf denen dieser Artikel basiert.

  1. Agha-Hosseini M, Kashani L, Aleyaseen A et al. Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial. BJOG, 2008. PubMed
  2. Rajabi F, Rahimi M, Sharbafchizadeh MR, Tarrahi MJ. Saffron for the management of premenstrual dysphoric disorder: a randomized controlled trial. Advances in Biomedical Research, 2020. PubMed Central
  3. Mohammadi M, Karimi N. Effect of saffron on premenstrual syndrome and dysmenorrhea: a systematic review and meta-analysis. Korean Journal of Family Medicine, 2026. PubMed
  4. Pirdadeh Beiranvand S, Beiranvand NS, Behboodi Moghadam Z et al. The effect of Crocus sativus (saffron) on the severity of premenstrual syndrome. European Journal of Integrative Medicine, 2016.
  5. Nahid K, Fariborz M, Ataolah G, Solokian S. The effect of an Iranian herbal drug on primary dysmenorrhea: a clinical controlled trial. Journal of Midwifery & Women's Health, 2009. PubMed
  6. Fukui H, Toyoshima K, Komaki R. Psychological and neuroendocrinological effects of odor of saffron (Crocus sativus). Phytomedicine, 2011. PubMed
  7. Jespersen C, Lauritsen MP, Frøkjær VG, Schroll JB. Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2024. Cochrane
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Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und basiert auf der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage zu Safran. Er ersetzt keinesfalls die individuelle Diagnostik, die Beratung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeuten oder eine notwendige medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung. Wer Anzeichen einer ernsten gesundheitlichen Belastung bei sich bemerkt — insbesondere Suizidgedanken, schwere Antriebslosigkeit oder deutliche Einschränkungen im Alltag — sollte sich zeitnah professionelle Hilfe suchen. Die Einnahme von Safran, insbesondere in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder höheren Dosierungen, sollte immer mit medizinischem Fachpersonal abgestimmt werden, vor allem bei bestehenden Erkrankungen oder laufender Medikation.