Safran in den Wechseljahren: Was die Forschung zeigt

Forschung & Wissenschaft

Safran in den Wechseljahren: Was die Forschung zeigt

Kann Safran in den Wechseljahren unterstützen? Eine wissenschaftliche Einordnung der Studien zu Stimmung, Schlaf und Hitzewallungen — fundiert und ehrlich.

14. Juni 2026·8 Min Lesezeit

Es beginnt oft leise. Der Schlaf wird unruhiger, die Stimmung schwankt stärker als früher, eine innere Gereiztheit, die sich nicht recht erklären lässt. Manchmal kommen Hitzewallungen dazu, manchmal nicht. Die Wechseljahre sind keine Krankheit — aber für viele Frauen sind sie eine Phase tiefgreifender Veränderung, die Jahre dauern kann.

In Deutschland befinden sich derzeit etwa neun Millionen Frauen in den Wechseljahren. Das durchschnittliche Alter der letzten Regelblutung liegt bei etwa 51 Jahren, der Übergang selbst zieht sich oft über sieben Jahre und länger. Rund zwei Drittel der Frauen erleben diese Zeit als weitgehend beschwerdearm — ein Drittel jedoch leidet erheblich.

Seit der großen Women's-Health-Initiative-Studie 2002, die das Bild der Hormonersatztherapie nachhaltig erschütterte, ist die Verschreibung von Hormonpräparaten drastisch zurückgegangen: von 37 Prozent der Frauen zwischen 45 und 65 im Jahr 2000 auf nur noch 6 Prozent im Jahr 2021. In dieser Lücke wächst das Interesse an sanfteren, nicht-hormonellen Optionen — und damit auch das Interesse an einem alten Gewürz, das die moderne Forschung neu untersucht: dem Safran.

Dieser Artikel ordnet ein, was die Wissenschaft über Safran und die Wechseljahre weiß — und ebenso ehrlich, was sie nicht weiß.


Was in den Wechseljahren im Körper geschieht

Die Wechseljahre — medizinisch das Klimakterium — markieren den Übergang von der fruchtbaren zur nachfruchtbaren Lebensphase. Im Zentrum steht das Absinken des Östrogenspiegels. Diese hormonelle Umstellung wirkt sich auf weit mehr aus als nur den Zyklus:

  • Vasomotorische Symptome — Hitzewallungen und Schweißausbrüche, ausgelöst durch eine veränderte Temperaturregulation im Hypothalamus.
  • Psychische Symptome — Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Angstgefühle.
  • Schlafstörungen — oft eine Kombination aus nächtlichen Schweißausbrüchen und hormonell bedingten Veränderungen der Schlafarchitektur.

Interessant für das Verständnis der Safran-Forschung ist die Rolle des Serotonins. Dieser Botenstoff reguliert nicht nur die Stimmung, sondern ist über den Hypothalamus auch an der Temperatursteuerung beteiligt. Der Östrogenabfall beeinflusst das Serotonin-System — was erklärt, warum Stimmung, Schlaf und Hitzewallungen in den Wechseljahren so eng miteinander verflochten sind.


Warum Safran in der Wechseljahres-Forschung untersucht wird

Safran besteht aus den getrockneten Narbenfäden des Crocus sativus. Seine wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe — Crocin, Picrocrocin und Safranal — zeigen in der Forschung eine Wirkung auf eben jenes Serotonin-System, das in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht gerät.

Der entscheidende konzeptionelle Punkt: Anders als pflanzliche Optionen wie Soja-Isoflavone oder Rotklee enthält Safran keine Phytoöstrogene. Er wirkt — nach allem, was die Forschung zeigt — nicht hormonell, sondern über die Modulation von Botenstoffen und die Stressachse. Das macht ihn zu einem eigenständigen Forschungsobjekt, das sich grundlegend von hormonell wirksamen Alternativen unterscheidet.

Diese mechanistische Grundlage ist biologisch plausibel — sie ist aber zunächst nur die Begründung, warum Forschende klinische Studien begonnen haben. Schauen wir auf das, was diese Studien tatsächlich zeigen.


Die zentrale Studie: Perimenopause und Stimmung

Die wichtigste Untersuchung zu Safran in den Wechseljahren erschien 2021 im Journal of Menopausal Medicine, durchgeführt von Adrian Lopresti und Stephen Smith. 86 perimenopausale Frauen zwischen 40 und 60 Jahren nahmen über zwölf Wochen entweder einen standardisierten Safranextrakt (affron®, 28 mg pro Tag) oder ein Placebo.

Die Ergebnisse waren in einem Bereich deutlich — und in einem anderen ebenso deutlich nicht:

  • Psychische Symptome verbesserten sich signifikant: Die Angst-Werte sanken um etwa 33 Prozent, die Werte für niedergeschlagene Stimmung um etwa 32 Prozent gegenüber dem Ausgangswert — statistisch signifikant überlegen gegenüber Placebo (p = 0,032).
  • Hitzewallungen veränderten sich nicht signifikant: Auf die vasomotorischen und körperlichen Symptome hatte Safran in dieser Studie keinen messbaren Effekt gegenüber Placebo.

Die Autoren formulierten entsprechend differenziert: Safran sei mit deutlichen Verbesserungen bei Stimmung und psychischen Symptomen verbunden gewesen, während sein Einfluss auf vasomotorische oder andere körperliche Symptome sich nicht signifikant vom Placebo unterschieden habe.

Diese Ehrlichkeit ist wichtig — und sie ist der Grund, warum dieser Artikel keine pauschalen Versprechen macht. Die Datenlage zu Safran und Stimmung in den Wechseljahren ist gut. Die Datenlage zu Safran und Hitzewallungen ist gemischt.


Postmenopause: eine andere Studie, ein anderes Bild

Eine zweite wichtige Studie, 2018 von Kashani und Kolleg:innen in Archives of Gynecology and Obstetrics veröffentlicht, kam zu einem teilweise anderen Ergebnis. 60 postmenopausale Frauen mit Hitzewallungen und depressiven Symptomen erhielten über sechs Wochen 30 mg Safran pro Tag oder ein Placebo.

Hier zeigte Safran sowohl bei den Hitzewallungen als auch bei den depressiven Symptomen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Die Autoren schlussfolgerten, Safran sei eine sichere und wirksame Option zur Verbesserung von Hitzewallungen und depressiven Symptomen bei gesunden postmenopausalen Frauen.

Warum die unterschiedlichen Ergebnisse? Ein wesentlicher Unterschied liegt in den Studienpopulationen: In der Kashani-Studie litten die Frauen unter ausgeprägteren Symptomen als in der Lopresti-Studie. Es ist möglich, dass Safran bei stärkeren Beschwerden einen deutlicheren Effekt zeigt. Sicher belegt ist das jedoch nicht — dafür braucht es größere, unabhängige Studien.


Was die breitere Forschung zu Stimmung zeigt

Die Wirkung von Safran auf Stimmung und psychisches Gleichgewicht ist über die Wechseljahre hinaus gut untersucht. Eine umfangreiche Meta-Analyse von Marx und Kolleg:innen aus dem Jahr 2019 wertete 23 Studien aus und fand große Effektstärken von Safran gegenüber Placebo — sowohl bei depressiven als auch bei Angstsymptomen.

Eine aktuellere Analyse von 2025 verglich Safran direkt mit SSRI-Antidepressiva und fand statistisch keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit — bei gleichzeitig weniger berichteten Nebenwirkungen in den Safran-Gruppen. Dieser Punkt ist im Wechseljahres-Kontext besonders relevant, weil SSRIs in Deutschland teilweise off-label auch gegen Hitzewallungen verschrieben werden.

Diese breitere Studienlage stützt das Bild aus den spezifischen Wechseljahres-Studien: Der stärkste Beleg für Safran liegt im Bereich Stimmung und psychisches Wohlbefinden. Wer mehr darüber lesen möchte, findet in unseren Artikeln zu Safran bei Depressionen und Safran und Winterblues die vertiefte Darstellung dieser Forschungslinie.


Der Schlaf-Aspekt

Schlafstörungen gehören zu den belastendsten und häufigsten Begleitern der Wechseljahre. Auch hier ist die Safran-Forschung relevant: Mehrere Studien zeigen Verbesserungen der Schlafqualität unter standardisiertem Safranextrakt — wenngleich diese Studien nicht spezifisch an menopausalen Frauen durchgeführt wurden.

Der vermutete Mechanismus ist elegant: Safran scheint die körpereigene Melatonin-Produktion zu unterstützen, statt Melatonin von außen zuzuführen. Die ausführliche Darstellung dieser Forschung findet sich in unserem Artikel über Safran und Schlaf.

Für viele Frauen in den Wechseljahren ist gerade diese Verbindung interessant: Ein Ansatz, der Stimmung und Schlaf zugleich adressiert — zwei Bereiche, die in dieser Lebensphase eng zusammenhängen.


Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen

In den Wechseljahres-Studien wurden konsistent folgende Rahmenbedingungen verwendet:

  • Dosis: 28 bis 30 mg standardisierter Safranextrakt pro Tag.
  • Dauer: 6 bis 12 Wochen; erste Effekte auf die Stimmung zeigten sich teils früher.

Zur Sicherheit: Safran gilt in den verwendeten Dosierungen als gut verträglich. Die Studiendosen liegen um etwa den Faktor 50 unter der toxikologischen Schwelle. In keiner der Wechseljahres-Studien traten schwere Nebenwirkungen auf.

Dennoch sind einige Punkte wichtig:

  • Wechselwirkung mit Antidepressiva: Wer SSRIs oder SNRIs einnimmt, sollte vor zusätzlicher Safran-Einnahme ärztlich Rücksprache halten — wegen einer theoretischen serotonergen Überlagerung.
  • Blutverdünner: Safran kann eine milde blutverdünnende Wirkung haben. Bei entsprechender Medikation ist ärztliche Abstimmung ratsam.
  • Bestehende Hormontherapie: Wer bereits eine HRT erhält, sollte jede Ergänzung mit der behandelnden Ärztin besprechen.

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

So interessant die Forschung ist — sie ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken Beschwerden, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, bei ungewöhnlichen Blutungen oder bei anhaltenden depressiven Verstimmungen ist der Weg zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt der richtige erste Schritt.

Die Hormonersatztherapie bleibt für Frauen mit starken vasomotorischen Beschwerden die wirksamste medizinische Option — und ihre Bewertung wird von den Fachgesellschaften heute differenzierter gesehen als in den Jahren unmittelbar nach der WHI-Studie. Safran ist kein Ersatz für eine medizinisch indizierte Therapie. Er ist, was die Forschung andeutet, eine mögliche sanfte Begleitung bei leichteren Beschwerden oder dann, wenn eine Hormontherapie nicht gewünscht oder nicht möglich ist.

Die ehrlichste Zusammenfassung der Studienlage lautet: Safran ist ein wissenschaftlich seriös untersuchter pflanzlicher Wirkstoff mit guter Evidenz für Stimmung und psychisches Gleichgewicht, plausibler Evidenz für Schlaf und gemischter Evidenz für Hitzewallungen.


Safran als Teil eines achtsamen Übergangs

Die Wechseljahre sind kein Defekt, der repariert werden muss — sie sind ein Übergang, der Aufmerksamkeit verdient. Was die Forschung über Safran zeigt, fügt sich in ein größeres Bild: Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, soziale Verbundenheit und bewusste Selbstfürsorge bilden zusammen das Fundament, auf dem diese Lebensphase getragen werden kann.

Ein abendliches Ritual — eine Tasse warme Milch oder Tee mit einigen Safranfäden, langsam und bewusst getrunken — kann ein kleiner, sinnlicher Anker in diesem Übergang sein. Nicht als Therapie, sondern als Moment der Ruhe. In einer Lebensphase, die so viel Veränderung bringt, ist das vielleicht keine kleine Sache.

Was alle Forschungslinien verbindet, ist eine Beobachtung: Eine Pflanze, die seit Jahrtausenden Teil der Heilkunde und Esskultur ist, wird heute mit modernen wissenschaftlichen Methoden neu vermessen. Die Antworten sind noch nicht vollständig. Aber die Fragen sind gut gestellt.

Quellen (Auswahl)

Wissenschaftliche Publikationen und Referenzdokumente, auf denen dieser Artikel basiert.

  1. Lopresti AL, Smith SJ. The effects of a saffron extract (affron®) on menopausal symptoms in women during perimenopause: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Journal of Menopausal Medicine, 2021. PubMed Central
  2. Kashani L, Esalatmanesh S, Eftekhari F et al. Efficacy of Crocus sativus (saffron) in treatment of major depressive disorder associated with post-menopausal hot flashes: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Archives of Gynecology and Obstetrics, 2018. PubMed
  3. Marx W, Lane M, Rocks T et al. Effect of saffron supplementation on symptoms of depression and anxiety: a systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews, 2019. PubMed
  4. Shafiee A, Arabzadeh Bahri R et al. Effect of saffron versus selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) in treatment of depression and anxiety: a meta-analysis of randomized controlled trials. Nutrition Reviews, 2025. PubMed
  5. Agha-Hosseini M, Kashani L, Aleyaseen A et al. Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial. BJOG, 2008. Wiley
  6. Pachikian BD, Copine S, Suchareau M, Deldicque L. Effects of saffron extract on sleep quality: a randomized double-blind controlled clinical trial. Nutrients, 2021. PubMed Central
  7. Avis NE, Crawford SL, Greendale G et al. Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition. JAMA Internal Medicine, 2015. PubMed Central
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Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und basiert auf der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage zu Safran. Er ersetzt keinesfalls die individuelle Diagnostik, die Beratung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeuten oder eine notwendige medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung. Wer Anzeichen einer ernsten gesundheitlichen Belastung bei sich bemerkt — insbesondere Suizidgedanken, schwere Antriebslosigkeit oder deutliche Einschränkungen im Alltag — sollte sich zeitnah professionelle Hilfe suchen. Die Einnahme von Safran, insbesondere in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder höheren Dosierungen, sollte immer mit medizinischem Fachpersonal abgestimmt werden, vor allem bei bestehenden Erkrankungen oder laufender Medikation.